Wenn Wahrheit unter Druck gerät
Anlässlich des MEDIAFORUMS MV 2026 der Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern unter dem Titel „Wenn Wahrheit unter Druck gerät. Medien zwischen Freiheit und Einflussnahme“ erklärt Sprecher für Digitalisierung und Landesentwicklung der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern und Teilnehmer der Podiumsdiskussion, Dr. Daniel Trepsdorf:
„Der AfD sind freie Medien ein Dorn im Auge. Sie schürt permanent Misstrauen gegenüber Wissenschaft und Medien und flutet die Öffentlichkeit mit Halbwahrheiten und rechtsextremen Narrativen. Das hat seit Jahren System. Ihr Angriff richtet sich gegen den wichtigsten Gegenspieler autoritären Denkens, nämlich eine aufgeklärte und urteilskräftige Öffentlichkeit. Wir stehen dagegen für eine vielfältige und unabhängige Medienlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Demokratie braucht Bürgerinnen und Bürger, die fundiert informiert sind, kritisch nachfragen und sich ein eigenes Urteil bilden können.
Diese Feststellung verbindet sich für Mecklenburg-Vorpommern mit einer zentralen demokratischen Frage. Gerade in ländlichen Regionen dürfen unabhängige Informationen nicht zum Ausnahmefall werden. Wo Lokalredaktionen verschwinden und öffentliche Begegnungsräume dichtmachen, wächst die Gefahr, dass emotionalisierte Fake News, Gerüchte, Verschwörungserzählungen und politisch gesteuerte Deutungen den öffentlichen Diskurs bestimmen. Eine lebendige Medienlandschaft braucht deshalb regionale Redaktionen, öffentlich-rechtliche Angebote, private lokale Sender, nicht-kommerzielle Medien und verlässliche Informationsangebote vor Ort.
Demokratische Öffentlichkeit lässt sich jedoch nicht allein durch das Löschen einzelner Falschmeldungen verteidigen. Notwendig sind langfristige Strukturen. Medienbildung muss bereits in Schulen beginnen und ebenso in Jugendclubs, Berufsschulen, Vereinen, Senioreneinrichtungen und Verwaltungen stattfinden. Menschen müssen lernen können, Quellen zu prüfen, Interessen hinter Botschaften zu erkennen und zwischen Nachricht, Meinung, Werbung und gezielter Manipulation zu unterscheiden. Medienkompetenz darf kein befristetes Projekt bleiben.
Zugleich trägt Politik Verantwortung für die wirtschaftlichen Bedingungen journalistischer Arbeit. Medienfreiheit besteht nicht nur darin, dass der Staat keine Artikel verbietet. Sie setzt auch voraus, dass Journalist:innen recherchieren können, ohne bedroht, eingeschüchtert oder durch prekäre Arbeitsbedingungen ausgebremst zu werden. Deshalb braucht Mecklenburg-Vorpommern eine Debatte über die dauerhafte Stärkung regionaler Medienangebote, die Förderung nicht kommerzieller Formate und den Schutz von Medienschaffenden.
Das MEDIAFORUM und der anschließende Jahresempfang zum 35-jährigen Bestehen der Medienanstalt MV bieten heute dafür einen wichtigen Raum. Medienregulierung, Medienbildung und journalistische Unabhängigkeit müssen zusammengedacht werden. Vertrauen entsteht nicht durch politische Vorgaben. Es entsteht dort, wo Medien transparent arbeiten, Fehler offen korrigieren, unterschiedliche Lebenswirklichkeiten abbilden und auch denjenigen zuhören, die sich gesellschaftlich nicht mehr wahrgenommen fühlen. Eine demokratische Gesellschaft muss Widerspruch aushalten. Was sie nicht hinnehmen darf, ist die gezielte Zerstörung gemeinsamer Tatsachengrundlagen. Wo Fakten beliebig werden, gewinnt nicht die Freiheit. Dort gewinnt derjenige, der am rücksichtslosesten täuscht.“
