Arbeits- und Fachkräftenachwuchs sichern – Langzeitarbeitslosigkeit nicht aus dem Blick verlieren
Zum Arbeitsmarktbericht Juli erklärt der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster:
„Der Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich aktuell vergleichsweise robust. Die Arbeitslosenzahl liegt mit aktuell 63.500 Betroffenen im Land um 1,4 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Die Situation am Ausbildungsmarkt kann uns nicht zufriedenstellen. Aktuell sind noch 3000 Ausbildungsplätze im Land unbesetzt. Betroffen sind vor allem der Einzelhandel, das Hotel- und Gaststättengewerbe und das Handwerk. Wenn gleichzeitig noch 2400 Jugendliche unversorgt sind, muss man die Frage nach den Ursachen stellen. Warum finden potentielle Auszubildende und Ausbildungsbetriebe nicht zusammen? Und was kann getan werden, um den Matching-Prozess zu optimieren? Wechselseitige Appelle an die Jugendlichen, etwa zur besseren Nutzung der Berufsberatung, oder an die Unternehmen, mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit, attraktive Zusatzangebote zur Ausbildungsvergütung zu unterbreiten, scheinen bislang nicht den notwendigen Erfolg zu zeitigen. Möglicherweise erscheinen gerade Einzelhandel sowie Hotellerie und Gastronomie vor dem Hintergrund der aus der Branche kommenden Forderungen nach noch mehr Sonntagsöffnungen und der Abschaffung des 8-Stunden-Tages für junge Leute unattraktiv.
Auffällig ist ebenfalls die anhaltend hohe Zahl der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Personen. Zwar ist auch diese gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig, 25.322 aktuell Betroffene machen inzwischen jedoch einen Anteil von 39,9 Prozent aller Arbeitslosen im Land aus. Hier zeigt sich, dass Langzeitarbeitslosigkeit eben kein Etikett ist, das sich Menschen gerne oder freiwillig aufkleben. Studien belegen, dass sich hinter dem Begriff häufig eben keine arbeitsscheuen Leistungsempfänger:innen, sondern Menschen mit vielfältigen Biografien, Brüchen, Krankheiten und Ängsten verbergen. Daher sind mehr Druck und schärfere Sanktionen keine geeigneten Instrumente zur Verbesserung der Arbeitsmarktintegration. Vielversprechender sind ganzheitliches Coaching, gezielte Weiterbildung, finanzielle Hilfen für Arbeitgeber und Hilfe bei Krankheiten, die einer Arbeitsaufnahme entgegenstehen.“
